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Tschernobyl

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Osteuropa : Ukraine : Tschernobyl
Version vom 18. Oktober 2006, 12:05 Uhr von Steffen M. (Diskussion | Beiträge)

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Der von einem "Sarkophag" umhüllte Reaktor 4 des Kernkraftwerkes. Heute ist die Hülle undicht geworden und Pläne zur Rekonstruktion sind vorhanden.

Die Stadt und Region Tschernobyl (ukrainisch Chornobyl), durch die Nuklearkatastrophe am 26. April 1986 bekannt geworden, befindet sich im Norden der Ukraine.

Hintergrund

Am 26. April 1986 explodierte der Reaktor 4 des Kernkraftwerkes Tschernobyl während eines Routinetests. Das radioaktive Jod, das durch die Explosion freigeworden war, wurde durch Lüftströmungen über ganz Europa verteilt. In den nähergelegenen Gebieten umd das Kernkraftwerk herum einschließlich der Region Prypjat, wo die meisten Arbeiter lebten, wurde Kaliumiodid verteilt. Durch die Wetterbedingungen kontrolliert, ging die radiaktive Wolke in einem Umkreis von 500 km mehrmals auf und nieder.

Prypjat (Pripyat, Prypiat), die dem Reaktor am nächsten gelegene Stadt, war vor dem Unglück Wohnort von fast 50.000 Menschen; heute lebt hier niemand mehr. Die Stadt Tschernobyl befindet sich gut 20 km südlich des Reaktors. Die hohe radioaktive Strahlung machte die Evakuierung von 100.000 Menschen aus Tschernobyl notwendig. Bis heute sind 700 Menschen in ihre alte Heimat zurückgekehrt.

Prypjat ist ein eingefrorenes Zeitzeugenobjekt aus dem sowjetischen Leben der 1980er Jahre. Propagandasprüche hängen immer noch herum und Spielzeuge sowie andere persönliche Dinge sind immer noch genau da, wo sie waren. Die Häuser verfallen jedoch langsam, Farbe blättert von den Wänden und Plünderer haben alles mitgenommen, das irgendeinen Wert haben könnte. Bäume und Gras erobern sich das Land zurück. Heute ist der Sperrbereich Tschernobyl ein neues Touristenziel. 2002 öffnete er sich für den Tourismus und im Jahre 2004 gab es bereits 870 Besucher.

20 Jahre nach dem Unfall gibt es immer noch Debatten über die Anzahl der Toten. Aus Angst vor schlechter PR verbat die UdSSR einige Jahre den Pathologen, Verstrahlung als Todesursache anzugeben. Die Schäzungen reichen von einigen wenigen Tausend bis fast zu einer Million.

Anreise

Prypjat liegt 110 km von Kiew und 16 km von der Grenze zu Weißrussland entfernt.

Um Zugang nach Prypjat, Tschernobyl und die umliegenden Dörfer zu erhalten, muss man die 30-km-Sperrzone betreten. Dafür muss man sich eine für einen Tag gültige Zugangsberechtigung besorgen. Der einfachste Weg, an solch eine Berechtigung zu kommen, ist über Reiseveranstater, von denen viele in Kiew ansässig sind.

Die meisten organisierten Touren erfolgen mit dem Bus ab Kiew. Das Reisebüro Hamalia besitzt einen guten Ruf für ökologisch verträgliche Touren in die Region. Wenn man eine Fahrt buchen möchte, sollte man dies im Voraus tun, da eine offizielle Registrierung sowie Permits erforderlich sind.

Das Internetforum pripyat.com organisiert Reisen in die Sperrzone für Leser und Forumsmitglieder. Bei Interesse können frühere Einheimische die Führung übernehmen und ihre Erinnerungen aus der Zeit des Unglücks berichten. Sie unternehmen sehr interessante und informative Touren - und alles ist legal!

Sehenswürdigkeiten

Besucher der Sperrzone müssen in organisierten Gruppen kommen. Eintagestouren kosten einschließlich Anreise und Verpflegung 200 bis 400 $.

Im April 1986 lebten in Prypjat über 40.000 Menschen. Das Riesenrad im Hintergrund ist ein sarkastisch wirkendes Überbleibsel aus dem Alltagsleben vor dem Reaktorunglück. Der Freizeitpark sollte nur vier Tage nach der Katastrophe eröffnet werden.
  • Reaktor 4. Es ist nicht möglich, in die direkte Nähe zu kommen, man kann den Sarkophag aber von einem 500 m entfernten Aussichtspunkt beobachten. Obwohl die Radioaktivität hier weit höher ist als anderswo, läuft man nicht Gefahr, eine kritische Menge während des Aufenthaltes aufzunehmen. Die normale Strahlendosis liegt an dieser Stelle bei etwa 0,5 bis 0,9 Mikroröntgen/Stunde im Winter, im Sommer ist sie etwas höher.
  • Autofriedhof. Wenn man interessiert ist, kann man den Schrottplatz sehen, auf dem die verstrahlten Kraftfahrzeuge liegen, die die Unglückssituation meisterten. Hier liegen eine Reihe von Feuerwehr- und Krankenwacgen, LKWs und Helikopter rum. Es ist nicht möglich, in die Fahrzeuge einzusteigen, da in einigen von ihnen die Strahlung jedoch immer noch eine tödliche Dosis besitzt, kann man das wohl verzeihen. Es existiert eine Aussichtsplattform zum Fotografieren.
  • Prypjat. Die berühmte Geisterstadt, die einst 49.000 Menschen beherbergte. Sehenswürdigkeiten sind Schulen, Kindergärten, öffentliche Gebäude und der beeindruckende Kulturpalast, der ein Schwimmbad, ein Kino und ein Gymnasium beherbergt und das berühmte Riesenrad überragt. Gefährlich sind die bröckelnden Gebäude und verfaulten Holzböden in den Gebäuden, Vorsicht beim Begehen ist also geboten!
  • Dörfer. In der Sperrzone gibt es eine große Zahl von verlassenen Dörfern, und alle sind sehr sehenswert. Man kann hier Scheunen, kleine Hütten und viel Vegetation sehen. Beim Betreten dieser Gegenden sollte man extrem vorsichtig sein, denn die Vegetation speichert viel mehr Strahlung als betonierte Gegenden.

Aktivitäten

Einkaufen

Es gibt keine Einkaufsmöglichkeiten, da alle Läden geschlossen wurden. Die Besichtigungstour beinhaltet möglicherweise die Verpflegung, eigene Knabbereien und Getränke sollte man dennnoch mitbringen.

Wenn man Zutritt zum Verwaltungsgebäude vom Tschernobyl erhält, kann man Souvenirs wie z.B. Bücher, die das Unglück beschreiben, kaufen.

Küche

In Prypjat befindet sich eine Kantine für die Wartungsmannschaften, die in der Sperrzone arbeiten. Wenn man sich auf einer geführten Tour befindet, kann man dort essen. Alle Tagesbesucher werden wahrscheinlich dagegen in den Gaststätten außerhalb der Sperrzone dinieren.

Unterkunft

Sicherheit

Leitungswasser bleibt weiterhin zum Drinken und Waschen ungeeignet. Stattdessen sollte man Wasser aus der Flasche mitnehmen, das in der Ukraine hauptsächlich mit Kohlensäure erhältlich ist.

Die tödliche Strahlendosis liegt bei etwa 300 bis 500 Röntgen pro Stunde. Bei den Tourenetappen werden Messungen zufolge nur 15 bis einige 100 Mikroröntgen pro Stunde erreicht. Ein Mikroröntgen ist ein Millionstel eines Röntgens. Man sollte die Straßen nicht verlassen; die Strahlung in bewachsenen Gegenden ist deutlich höher.

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