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Tell el-Amarna

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Tell el-Amarna (arab.: تل العمارنة, Tall al-ʿAmārna; altägyptisch Achetaton („Horizont des Aton“)) ist eine archäologische Stätte in Mittelägypten (Ägypten). Sie befindet sich ca. 310 km südlich von Kairo, 50 km südlich von el-Minyā und ca. 400 km nördlich von Luxor. Streng genommen befindet sich die archäologische Stätte sowohl auf dem West- als auch auf dem Ostufer. Das gesamte Areal wird von vierzehn so genannter Grenzstelen begrenzt (im Westen bis Tūna el-Gebel). Im engeren Sinne meint man die Ansiedlungen auf der östlichen Niluferseite. Heute befinden sich hier von Nord nach Süd die Dörfer et-Till, el-Hagg Qandil, el-'Amariya, Kom el-Nana und el-Hawata.

Hintergrund[Bearbeiten]

Tell el-Amarna ist ein von Reisenden des 19. Jahrhunderts gebildeter Kunstname, der sich vielleicht vom Dorf el-'Amariya oder vom Beduinenstamm Beni Amran ableitet. Selbst die Angabe Tell ist ungenau, da es sich hier nicht um einen Siedlungshügel handelt, die Angabe el-Amarna wäre sicher richtiger.

El-Amarna bzw. Achetaton („Horizont des Aton“) ist die unter Amenophis IV. (Echnaton, 18. Dynastie) begründete neue Hauptstadt Altägyptens und Zentrum des Aton-Kults. Sie liegt im 15. oberägyptischen Gau. Diese Stelle wurde ausgewählt, da sie de facto bis dahin unbesiedelt war und sich somit für ein neues Kultzentrum eignete. Möglicherweise spielte auch die Form der beiden Gebirgszüge im Osten eine Rolle, in deren Mitte sich ein Tal einschneidet, so dass sich die Form der Horizont-Hieroglyphe ergibt.

Die geringe Besiedelung belegen auch archäologische Funde. Besiedelungen vor der Amarnazeit beschränken sich auf das Paläolithikum (Feuersteinwerkzeugfunde), in der Nachamarnazeit gibt es nur eine geringe Besiedelung, die in der römischen Zeit mit der Besiedelung (Camp) von Kom el-Nana ihren Höhepunkt erreicht. Im Bereich der Nordgräber gab es später eine kleine Ansiedlung von koptischen Christen, die im Grab des Panehesi (TA 6) eine Kirche einrichteten. Man vermutet, dass es im Alten Reich eine Siedelung für Steinbrucharbeiter für die nahe gelegenen Alabaster-Steinbrüchen von Hatnub gegeben haben könnte, das konnte aber bisher nicht belegt werden. Für Archäologen ist el-Amarna natürlich ein Glücksfall: eine Stadtanlage vorzufinden, die später kaum überbaut wurde. Somit ist diese Stadtanlage ein bedeutendes, wenn auch untypisches Beispiel für Stadtgründungen im alten Ägypten. Es gibt nur wenige weitere archäologisch nachgewiesener Siedlungen, was durch die Vergänglichkeit des Baumaterials Lehm verständlich wird: Elephantine, Siedlung Kahun nördlich der Pyramide von el-Lāhūn, Deir el-Madina und Qasr es-Sagha.

Die Nutzungsdauer dieser Stadt währte aber nicht lang: die Stadt wurde im 4. Regierungsjahr Amenophis’ IV. begründet und diente als Siedlung etwa bis zum Ende der Regierungszeit Tutanchamuns. In der Stadt lebten größenordnungsmäßig 30.000 Einwohner. Mit Tutanchamun kehren auch die Beamten nach Theben zurück, so dass sie zumeist auch dort bestattet wurden. Die meisten Gräber in Amarna sind nicht fertiggestellt und wahrscheinlich auch nicht genutzt worden. In ramessidischer Zeit wird die Stadt zerstört und das Baumaterial an anderer Stelle wiederverwandt.

Die Ausrichtung zu einem neuen Kult ist sowohl in den Darstellungen der Gräber als auch in der Tempelarchitektur sichtbar. Die Tempel sind noch oben hin offen. Sehr häufig wird das Königspaar als Vermittler zum Gott Aton dargestellt.

Auf dem Areal auf der Ostseite, das sich in Nord-Süd-Richtung etwa über 7 km und in Ost-West-Richtung über ca. 4 km erstreckte (eine Fläche also von ca. 25 km2) konnten von den Ausgräbern (Egypt Exploration Society, 1901 – 1907, 1921 – 1936, ab 1977; Deutsche Orient-Gesellschaft, 1911 – 1914) folgende Siedlungsteile lokalisiert werden:

  • die Nordstadt, südlich davon Reste einer Brücke (?, große Rampe) und der Nordpalast für die Königin Nefertiti (Nofretete) oder einer ihrer Töchter,
  • die nördliche Vorstadt,
  • das „Stadtzentrum“ mit Palastanlagen, dem Großen (730 × 275 m mit zahlreichen Opferaltären) und Kleinen Aton-Tempel, Verwaltung (z.B. für die Verwahrung der Korrespondenz, hier wurden die berühmten Amarnabriefe gefunden – ein Keilschrift-Tontäfelchen-Archiv zur Korrespondenz mit dem hethitischen Königshof), Küchen, Bäckereien und Militärposten. Reste des bemalten Palastfußbodens sind heute im Ägyptischen Museum von Kairo zu sehen.
  • die Hauptansiedlung in der südlichen Vorstadt für Beamte und Handwerker. Hier standen u.a. das Wohnhaus des Panehesi, von dem auch sein Büro und sein Grab (TA 6) bekannt sind, und die Werkstatt des Bildhauers Thutmose, in dem die berühmte bemalte Kalksteinbüste der Nefertiti (Nofretete) gefunden wurde.
  • Im Süden wurde das Lusthaus Maru-Aten mit bemalten Fußböden und Gärten samt eines Teiches und weiter im Süden der Flusstempel. Das Relief der Enten im Papyrusdickicht aus dem Maru-Aten wird heute im Amarna-Saal im Ägyptischen Museum von Kairo ausgestellt.
  • Im Norden der Wüste fand man Wüstenaltäre und etwa auf Höhe des Stadtzentrums eine Arbeitersiedlung und die so genannte Steinsiedlung, die nur zeitweilig bewohnt wurde.
  • Zahlreiche Felsgräber in den Gebirgszügen am Ostrand in zwei Gruppen (im Norden Gräber TA1 – TA 6, im Süden die Gräber TA 7 – TA 25).
  • Das Königsgrab TA 62 im Wadi Abu Hasah el-Bahri, ca. 5 km von der nördlichen Gräbergruppe entfernt.
  • Das Gelände der Hauptstadt wurde von vierzehn so genannter Grenzstelen begrenzt. Sie enthalten Dekrete zu Grenzen und Anlage der Stadt Achetaton aus dem vierten bis achten Regierungsjahr Echnatons, zum Teil von Statuen der königlichen Familie umrahmt. Das Gelände erstreckte sich bis nach Tuna el-Gebel.

Anreise[Bearbeiten]

Auto[Bearbeiten]

Die Anreise erfolgt üblicherweise im Taxi oder mit dem Reisebus. Je nachdem, ob man noch weitere Ziele erreichen möchte oder mit mehreren Personen reist, beträgt der Preis ca. LE 50 bis 100 für ein Taxi. Man erreicht die archäologische Stätte über eine gut ausgebaute Asphaltstraße. Südlich von Mallawī biegt man nach Osten ab, wo man auf eine LKW-Fähranlegestelle trifft. Die Fähre führt zum Dorf et-Till, die Kosten für eine Fährüberfahrt betragen LE 13 für Hin- und Rückfahrt. Es ist möglich, dass Sie sich einem Konvoi anschließen müssen.

Bahn[Bearbeiten]

Man kann die nahe gelegene Stadt Mallawī auch mit der Bahn erreichen, um von hier aus ein Taxi zu mieten. Die Fahrtdauer der Schnellzüge von Kairo nach Mallawī beträgt reichlich vier Stunden.

Mobilität[Bearbeiten]

Aufgrund der Weiträumigkeit des Areals müssen Sie wohl ein eigenes Fahrzeug mitbringen. Die Zeit der Esel oder Traktorwagen als Transportmittel ist zu Ende.

In den letzten Jahren wurden mehrere Asphaltstrassen angelegt, so dass man wichtige Denkmäler sowohl mit einem PKW oder Bus erreichen kann. Dies gilt auch für das abgelegene Königsgrab TA 62. Gerade im Süden findet man aber nur Sandpisten vor, die sich aber auch mit einem PKW befahren lassen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten][hinzufügen listing]

Da die Grabungen fast ein Jahrhundert zurückliegen, sind weite Teile des Areals wieder versandet. So wird man nur mit Mühe das Stadtzentrum und die südliche Vorstadt ausmachen können.

Die Ticketstelle befindet sich im Norden des Areals in der Nähe der nördlichen Gräbergruppe und des Nordpalastes. Das Areal ist von 9 – 17 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis für das Grabungsareal beträgt LE 25. Für den Besuch den Königsgrabes TA 62 müssen Sie ein weiteres Ticket für LE 20 erwerben.

Die Gräber der Beamten bestehen meist aus einer Säulen- oder Pfeilerhalle, der sich eine weitere Halle anschließen kann. Am Ende befindet sich meist eine Nische für die Statue des Verstorbenen. Die Dekoration ist im Fels oder im Stuckverputz ausgeführt. Wichtige Motive sind die Darstellung der königlichen Familie im Palast und bei Ausritten und Architekturdarstellungen von Tempeln und Palästen. Der Grabbereich ist unterirdisch angelegt worden.

Gräber hoher Beamter, Gräber der Nordgruppe[Bearbeiten]

  • Grab des Meryre I., Hoher Sonnenpriester des Aton im Tempel des Aton, Fächerträger zur Rechten des Königs, Kanzler des Königs von Unterägypten, TA 4. Das Grab zählt zu den größten und bedeutendsten. Über einen Vorraum erreicht man die Säulenhalle mit ehemals vier Säulen, daran schließt sich die unvollendete Vier-Pfeilerhalle mit Statuennische an. Zur den Darstellungen zählt die Ausfahrt der königlichen Familie mit ihrem Gefolge zum Sonnentempel, wo sie von Priestern erwartet werden. Der Sonnentempel ist ebenfalls dargestellt. Weiterhin sieht man Opferhandlungen der königlichen Familie, die Auszeichnung des Grabherrn mit dem Ehrengold und das Anwesen des Grabherrn mit Wohnhaus, Garten und Speichern.
  • Grab des Panehesi, Oberster Diener des Aton in der Residenz des Aton in Achetaton (Amarna). Zweiter Prophet und Diener des Herrn beider Länder Nefercheprure im Tempel des Aton. Vorsteher der Getreidespeicher und des Viehs des Aton. Kanzler des Königs von Unterägypten, TA 6. Dieses Grab ähnelt dem vorherigen. Nach dem Durchschreiten der Säulenhalle mit vier Säulen gelangt man zur nächsten Säulenhalle und der Statuennische. Nur die vordere Säulenhalle und die Statuennische sind dekoriert. Es sind wieder die königliche Familie, die Auszeichnung des Grabherrn mit dem Ehrengold, Opferhandlungen und der Ausritt der königlichen Familie zum Sonnentempel dargestellt. In christlicher Zeit wurde der Nordteil des Grabes zur einer Kirche mit Taufbecken umgestaltet.
  • Grab des Huya, Vorsteher des Königlichen Harem und der beiden Schatzhäuser, TA 1. Das Grab besteht aus einer Säulenhalle mit zwei Säulen, gefolgt von einer Querhalle mit Statuennische. Zu den Darstellungen gehören die Darstellung der königlichen Familie mit der Königin-Mutter Teje und die königliche Familie beim Mahl, das Tragen des Königs zur Empfangshalle, die Auszeichnung des Grabherrn mit dem Ehrengold und der Tempel von Akhetaton.
  • Grab des Meryre II., Königlicher Schreiber, Vorsteher der beiden Schatzhäuser, TA 2. Ähnlich dem Grab von Huya besteht das des Meryre II. aus Säulenhalle mit anschließender Querhalle und Statuennische, die Säulenhalle wurde aber nicht fertiggestellt. Die Außenwand zeigt den Grabherrn beim Gebet zur Sonne. Zu den Darstellungen gehören die der königlichen Familie, der Belohnung des Grabherrn und dessen Ausritt und die des königlichen Paares unter einem Baldachin beim Empfang ausländischer Tribute.

Gräber hoher Beamter, Gräber der Südgruppe[Bearbeiten]

Manchmal zugänglich:

  • Grab des Ma'hu, Offizier der Polizei, TA 9. Das Grab des Mahu ähnelt in seiner Form thebanischen Gräbern: Eine Treppe führt zur Querhalle, an die sich eine undekorierte Längshalle anschließt. Neben den bekannten Szenen der königlichen Familie wird der Grabherr vor dem Sonnenhymnus kniend gezeigt, zum anderen zeigt die südliche Eingangswand den Grabherrn, wie er gefangene Ausländer zum Wesir führt. Nur in diesem Grab ist die Sargkammer fertiggestellt worden und vielleicht ist dies das einzige Beamtengrab, das eine Bestattung aufgenommen hat.
  • Grab des Eje, TA 25. Dies ist das unvollendete Grab des späteren Königs Eje. Der König selbst ließ sich später im Westtal des Königsgräbertals von Theben bestatten. Nur wenige Darstellungen wurden bereits angebracht, so die Darstellung der königlichen Familie, die des Eje in Amtstracht, die Auszeichnung des Eje und des Eje mit seiner Ehefrau im Gebet. Die Architektur des Grabes mit seinen 24 geplanten Lotusbündelsäulen ist in Amarna einmalig. Interessanterweise besitzt dieses Grab eine Parallele in Theben-West mit dem Grab des Ramose, Bürgermeister und Wesir unter Echnaton, Grab TT 55.

Grab der königlichen Familie[Bearbeiten]

  • Grab des Echnaton, TA 62. Dieses weit abgelegene, im Wadi Abu Hasah el-Bahri (auch Darb el-Melek) an der Nordseite des Wadis angelegte Grab befindet sich ca. 5 km östlich des Taleingangs und ca. 10 km östlich der Ticketverkaufsstelle. Es wurde 2003/2004 für Touristen erschlossen (Asphaltstraße, Holztreppen und elektrische Beleuchtung). Das Grab ist aber offensichtlich nie für ihn benutzt worden; nur seine früh verstorbene Tochter Meketaton wurde hier in einem Seitenflügel bestattet. Die Darstellungen in der Sargkammer, die als Pfeilerhalle geplant war, sind kaum noch auszumachen: sie zeigen u.a. die königliche Familie bei der Anbetung der Sonne. Im Seitenflügel, der für die Bestattung der Prinzessin Meketaton benutzt wurde, sind die Darstellungen bedeutend besser erhalten. Der erste Raum zeigt die Königsfamilie beim Gebet vor dem Sonnentempel, das Gefolge samt Asiaten bei der Anbetung, Soldaten mit Pferdegespannen und eine sehr persönliche Darstellung: die königliche Familie und Klagefrauen beweinen ihre Tochter am Totenbett – diese Szene ist in ägyptischen Gräbern einmalig –; im Register darüber sieht man ihre Amme, wie sie das Kind hält, die königliche Familie beim Gebet und weitere Klagefrauen. Im zweiten Raum gibt es keinerlei Darstellungen. Im dritten Raum findet man die königliche Familie und Klagefrauen erneut dargestellt, wie sie ihre Tochter Meketaton am Totenbett beweinen. Weiterhin findet man die Prinzessin unter einem Baldachin, vor ihr ihre Eltern und das königliche Gefolge, auf einer weiteren Wand weitere Klagefrauen.

Siedlungsgebiet[Bearbeiten]

  • Der Nordpalast wurde wohl ursprünglich als Residenz der Nefertiti (Nofretete) oder der Kiya, einer Nebenfrau, angelegt, letztlich aber von seiner Tochter Meretaton genutzt. Die Umfassungsmauer umschließ ein Gebiet von 110 × 140 m, die Gebäude waren U-förmig um ein Mittelbassin angeordnet. Der Eingang lag im Westen. Am Ende der Mittelachse befand sich der Thronsaal. Mehrere Räume dienten als Frauenquartiere (Bedienstete). Die Wände und Decken, nicht aber die Fußböden waren bemalt. Die meisten Darstellungsreste stammen aus den Frauenquartieren: dies sind Naturdarstellungen (Papyrus, Lotos, Vögel). Die Decken waren mit Weinblattdarstellungen geschmückt.
  • Kleiner Tempel im Stadtzentrum. Da versandet, lässt sich vom Stadtzentrum mit seinen Palastanlagen, dem Großen und Kleinen Tempel wenig ausmachen. Wer das Gelände dennoch ergründen möchte, ist gut beraten, einen Plan dieses Viertels zur Hand zu haben. Einzig der hervorragend rekonstruierte Kleine Tempel lässt den Besucher seine Struktur ergründen.
  • Am Stadtrand gibt es 14 Grenzstelen mit Dekreten zum Ausmaß und zur Anlage der Stadt. Zum Besuch eignet sich insbesondere die Stele A, die sich auf dem Weg nach Tūna el-Gebel befindet – ungefähr 500 m vor der Nekropole auf der westlichen Straßenseite, weil sie hier am einfachsten zugänglich ist.

Küche[Bearbeiten][hinzufügen listing]

Unterhalb der Gräber-Nordgruppe gibt es ein kleines Restaurant mit Toiletten. Trotzdem ist es ratsam, Getränke und Speisen mit sich zu führen.

Unterkunft[Bearbeiten][hinzufügen listing]

Unterkunftsmöglichkeiten bestehen in El-Minyā und in Mallawī.

Weiter geht's[Bearbeiten]

Wer nur einen groben Überblick erhalten möchte, kann den Besuch von Tell el-Amarna mit dem von Tūna el-Gebel und/oder el-Aschmunein verbinden. Wer Amarna indes intensiv ergründen möchte, wird hierfür wohl ein bis zwei Tage benötigen.






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