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Rund um den Müggelsee

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Rund um den Müggelsee

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Müggelsee und Müggelberge, die grüne Lunge Berlins

Erwarten Sie in der norddeutschen Tiefebene keine Zugspitze, trotzdem nennen wir die Erhebung im Südosten von Berlin sogar im Plural die „Müggelberge“ und liebevoll auch die „Berliner Schweiz“. In Wirklichkeit ist es eine Endmoräne von etwa 90 m Höhe und der Müggelsee ist der Rest des dazu gehörigen Toteisloches aus der letzten Eiszeit (max. 4,3 km lang; 2,6 km breit und ist bis zu 8 Meter tief). Es erwartet Sie ein Ausflug von etwa 5 km bequemer Fußweg mit Restaurants an der Strecke.

Fahren Sie mit der S-Bahn, Linie S 3, über Ostkreuz nach Friedrichshagen (Tarif AB, Fahrräder möglich).

Friedrichshagen wurde 1753 von König Friedrich II. gegründet. Auf einer in den Wald geschlagenen Schneise wurden 55 Kolonistenfamilien aus Böhmen, Sachsen, Württemberg und Hessen angesiedelt. Die Mark Brandenburg war durch den 30jährigen Krieg immer noch entvölkert und Friedrich versprach sich einen Aufschwung von Handel und Gewerbe durch die handwerklichen Fähigkeiten der Siedler, denen großzügige Steuererleichterungen versprochen wurden. Es waren vorzugsweise Spinner, die hier Seidenraupenzucht betreiben und deren Kokons zu der begehrten Seide verarbeiten sollten. Alte Maulbeerbäume zeugen noch davon.

Den Verlauf der Waldschneise markiert heute die Bölschestraße, genannt nach Wilhelm Bölsche, dem Gründer des Friedrichshagener Dichterkreises und liebevoll verspottet als der Kurfürstendamm von Köpenick. Hier und da erkennt man noch die alten ebenerdigen Kolonistenhäuser. Auf dem Marktplatz wurde dem Gründer Friedrich ein Denkmal gesetzt. Den Abschluss der Bölschestraße bildet das Gebäude einer stillgelegten Berliner Traditions-Brauerei und links davon verläuft der Weg zum Spreetunnel.

In den Jahren 1926 – 27 wurde dort, wo die Spree den Müggelsee verlässt, der Spreetunnel gebaut. Er ist 120 m lang, 5 m breit und liegt mit seiner Sohle 8,5 m unter der Wasseroberfläche der Spree. Für den am Ufer zusammengefügten und dann versenkten Tunnel mussten mehr als 800 Kubikmeter Erde ausgeschachtet werden. Ursprünglich hatte man eine Fußgängerbrücke erwogen und auch eine Hängebrücke war im Gespräch, um den Fährbetrieb abzulösen, der den Anforderungen nicht mehr gewachsen war. Regelmäßig kam es an sommerlichen Wochenenden zu tumultartigen Szenen an beiden Ufern.

Es folgt nun der Versuch einer Deutung des Namens „Müggel“: Wahrscheinlich ist eine vorslawische, germanische (?) Herkunft aus der indoeuropäischen Wurzel migh-, mighla = Nebel, Wolke (Konsonanten m, g, l). Man kann also annehmen, dass die bis etwa 400 u.Z. hier siedelnden Germanen den heutigen Müggelsee „Nebelsee“ nannten. Die während der Völkerwanderung einsickernden westslawischen Stämme übernahmen den Namen. Nach den nächstliegenden, heute lebenden westslawischen Sprachen, also Polnisch, Tschechisch oder Sorbisch müsste der See „mglisty“ oder „mlhavy“ geheißen haben (Konsonanten m, l, g/h). Den um 1200 u.Z. einwandernden deutschen Siedlern, die noch überwiegend Niederdeutsch sprachen, war die Aussprache diese Kehllaute zu schwierig und sie übersetzten den Namen des Sees in „miggelen“, nämlich Dunst, Nebel (Konsonanten m, g, l) – ein Wort, das man noch heute in alten niederländischen Wörterbüchern findet. Mit der Verbreitung des Hochdeutschen wurde diese Bezeichnung aber nicht mehr übersetzt, sondern zu „Müggel“ angepasst. So weiß heute niemand, dass es sich um den „Nebelsee“ handelt.

Genießen Sie nun die Landschaft und wandern am Ufer des Sees bis zum Ausflugslokal „Rübezahl“. Der parallel verlaufende Radweg R1 ist ein Teil des Fern-Radwanderweges Calais – St.Petersburg.

Hier bei „Rübezahl“ wenden Sie sich nach rechts und verlassen das Seeufer. Sie überqueren eine Chaussee und wandern geradezu in den Wald. Zunächst treffen Sie auf den „Teufelssee“, an dem Sie den Verlauf einer Hochmoorbildung und Verlandung erkennen können. Ein hölzener Lehrpfad durchquert das kleine Moor.

Nun aber beginnt der Anstieg zu dem Gipfel der Müggelberge. Sie benötigen dazu keine Bergschuhe, nur ein wenig Puste, denn eine Treppe mit vielen Stufen führt hinauf. Neben einer verlassenen Gastwirtschaft steht ein Aussichtsturm. Es lohnt sich, auch diesen noch zu besteigen. Sie werden mit einer wunderschönen Aussicht über die Wald- und Seenlandschaft belohnt. Nach Norden sieht man den Müggelsee in seiner vollen Ausdehnung und nach Süden den Langen See, ein Teil der Dahme (oder Wendische Spree).

Für den Rückweg nehmen Sie denselben Weg, vorbei am Teufelssee bis zu der Chaussee, die zuvor überquert wurde. Dort verkehrt ein Bus zum S-Bahnhof Köpenick. Radfahrer sollten auf dem R1 bis Erkner radeln und von dort auf der Nordseite des Müggelsees nach Berlin zurückkehren