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Meir

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Meir

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Meir (arab.: مير, Mair, gesprochen etwa Mēr) ist ein Dorf in Mittelägypten (Ägypten) im Gouvernement Asyūṭ auf der Westuferseite des Nils. Ca. 5 km südwestlich befindet sich die gleichnamige Nekropole (27° 24' 35" N 30° 42' 42" O).

Hintergrund[Bearbeiten]

Meir ist der Friedhof der Gaufürsten, Bürgermeister und Priester von Qusae (altägyptisch Qjs, heute el-Qūṣīya, 14. oberägyptischer Gau) und ihrer Familienangehörigen und Bediensteten vornehmlich der 6. und 12. Dynastie. Für erstere wurden Felsgräber gestaltet, für die Bediensteten wurden Schachtgräber angelegt. Die Reliefs in den Gräbern der 12. Dynastie zählen zu den bedeutendsten Vertretern der Flachbildkunst (insbesondere die Gräber B1 und B2).

Auf einer Länge von ca. 1,5 km findet man fünf Gräbergruppen vor (von Nord nach Süd): Gruppe A (Gräber der 6. – 11. Dynastie), B (Gräber der 12. Dynastie), C (Gräber der ausgehenden 12. Dynastie), D (Gräber der 6. Dynastie) und E (Gräber vornehmlich der 6. Dynastie). Gräber des Neuen Reiches vermutet man auf dem Ostufer des Nils. Als ältestes Grab gilt das des Ni-anch-Pepi-Kem (Grab A1).

Anreise[Bearbeiten]

Bahn[Bearbeiten]

Mit der Bahn lassen sich auch von Luxor oder Kairo aus Mallawī oder el-Minyā erreichen. Die Fahrtdauer der Schnellzüge von Kairo nach Mallawī beträgt reichlich vier Stunden.

Auto[Bearbeiten]

Die Anreise kann von Mallawī oder von el-Minyā aus mit einem Taxi aus erfolgen. In el-Qusiya (arab. القوصية, al-Qūṣīya), ca. 50 km südlich von Mallawī, biegt man von der Hauptstraße ab, um nach Westen zu fahren. Am nach Süden führenden Weg nach Deir el-Muḥarraq führt eine kleine Asphaltstraße führt nach Westen in die Wüste zur Nekropole.

Bus[Bearbeiten]

Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist schwierig. Von Mallawī fahren Busse nach el-Qusiya. Von hier aus kann man mit einem Sammeltaxi nach Meir fahren.

Mobilität[Bearbeiten]

Der Aufstieg zu den Gräbern ist etwas schwierig, da er im sandigen Boden erfolgen muss.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Für den Besucher sind zwei Gräber der A-Gruppe (6. Dynastie) und vier Gräber der B-Gruppe (12. Dynastie) zugänglich. Diese Gräber zählen zu den bedeutendsten dieser Nekropole. Es wird empfohlen, notfalls für die Gräber der A-Gruppe eine Taschenlampe mitzunehmen, auch wenn diese Gräber jetzt über eine elektrische Beleuchtung verfügen. Öffnungszeiten: 9 – 17 Uhr. Eintrittspreis: LE 20.

Gräber des Alten Reiches, A-Gruppe[Bearbeiten]

Meir, Gräber der A-Gruppe, Ägypten
Meir, Grab A1 des Ni-anch-Pepi-Kem, Ägypten

Die beiden Gräber im Zentrum der A-Gruppe bilden die Doppelgrabanlage von Ni-anch-Pepi-Kem und seinem Sohn Pepi-anch. Man betritt die Gräber durch das Grab 1 (A2). Diese Gräbergruppe unterscheidet sich stilistisch stark von denen der 12. Dynastie. Die Reliefs sind bemalt, auf blauem Grund sind die farbigen Akteure dargestellt.

  • Grab 1: Grab des Pepi-anch, Kanzler des Königs von Unterägypten, Vorsteher der Propheten, Sohn von Ni-anch-Pepi-Kem, Zeit Pepis II., Grab A2. Diese komplexe Grabanlage besteht aus acht Räumen. Im ersten Raum hinter dem Eingang findet man Darstellungen des Grabherrn mit Gefolge, von Gabenträgern und zahlreiche Handwerks- und Landwirtschaftsszenen. Der sich im Norden anschließende Raum ist undekoriert. Im Osten befindet sich der Serdab, die Kammer für die Ka-Statue des Verstorbenen. Im unteren Teil findet man ca. 250 Darstellungen des Grabherrn mit seinen Titeln. Im oberen Teil erblickt man Tuschezeichnungen der Abydosfahrt, von Rinderherden und Möbeln und Speisen für den Grabherrn. Vom ersten Raum aus erreicht man im Westen eine weitere große, dekorierte Halle, an deren Nordseite sich zwei undekorierte Räume, einer mit dem Grabschacht, und an dessen Westseite sich der Durchgang zum Grab seines Vaters (Grab A1) befindet. An den Wänden dieser Halle befinden sich Darstellungen von Bootsfahrten, aus Landwirtschaft, Fisch- und Vogelfang und Handwerk, des Grabherrn beim Fisch- und Vogelfang, des Grabherrn beim Empfang von Gaben und des Grabherrn in einer Sänfte. In der Nordostecke dieser Halle gelang man zu einem weiteren Raum mit Darstellungen von Männern beim Schlachten, der Opferliste und des Grabherrn am Speisetisch bzw. beim Empfang von Gaben.
  • Grab 2: Grab des Ni-anch-Pepi-Kem, Vorsteher Oberägyptens, Kanzler des Königs von Unterägypten, Vorsteher der Propheten, Zeit Pepis I., Grab A1. Man erreicht dieses Grab üblicherweise durch das seines Sohnes, so sollte man am Anfang oder Ende des Besuchs nicht vergessen, einen Blick auf den dekorierten Eingang zu werfen. Das Grab besteht aus einer großen Vorhalle, in deren hinterem Teil sich drei mit dem Bildnis des Grabherrn geschmückter Pfeiler befinden. An der Westseite der Halle befinden sich Fassadenstelen und Opfertafeln, der hintere Teil der Halle ist dekoriert mit Darstellungen des Grabherrn und Gabenbringern, Fisch- und Vogelfangszenen. Die sich im hinteren Teil anschließenden drei Räume sind fast undekoriert, im westlichen Raum sind zwei unvollendeten Statuennischen erkennbar.

Gräber des Mittleren Reiches, B-Gruppe[Bearbeiten]

Meir, Gräber der B-Gruppe, Ägypten
Meir, Grab B1 des Senbi, Südwand, Ägypten

Wenn man mit dem südlichsten Grab (Grab 6) beginnt, erfährt man mit jedem Grab eine Bedeutungssteigerung. Zu den ungewöhnlichsten Darstellungen in den Gräbern 3 und 4 (Gräber B1 und B2) zählt die der abgemagerten so genannten beja-Hirten mit wohlgenährten Rindern. Die Interpretation ist umstritten; einige Wissenschaftler erkennen hierin die Fürsorge des Grabherrn für Beduinen.

  • Grab 3: Senbi, Gaufürst, Vorsteher der Propheten, Kanzler des Königs von Unterägypten, Zeit Amenemhets I., Grab B1. Dieses Grab besteht aus einer großen Halle mit Statuennische an der Rückwand, die zwei Pfeiler sind bei der Rekonstruktion des Grabes ergänzt worden. An der südlichen Eingangswand ist der Grabherr bei der Wüstenjagd dargestellt. An der Südwand sieht man den Grabherrn vor Hirten, Schlachtern, Opferträgern, Priestern, kämpfende Bullen, Männer beim Überspringen von Bullen und eine kalbende Kuh. Die Rückwand zeigt kaum Dekorationen. Die Nordwand zeigt den Grabherrn bei einem Fest mit Tänzern und Musikern, vor Gabenträgern, Ringern, Fischfang in den Marschen und dem Bringen von Vögeln sowie weiteren Landwirtschaftsdarstellungen. Auf der nördlichen Eingangswand sind Reste von Handwerksszenen auszumachen.
  • Grab 4: Ukh-hotep, Gaufürst, Kanzler des Königs von Unterägypten, Vorsteher der Propheten der Hathor, Zeit Sesostris’ I., Grab B2. Dieses Grab besteht aus einer großen Halle mit zwei Pfeilern und einer Statuennische an der Rückwand. An der südlichen Eingangswand erkennt man zwei Männer mit Eseln, an der (linken) Südwand den Grabherrn bei der Wüstenjagd, Opferlisten, Gabenträger und Hirten. An der Rückwand sieht man den Grabherrn und seine Ehefrau bei Fest-, Stierkampf- und Gabenbringerszenen, in der Nische sind der Grabherr, seine Ehefrau und Gabenbringer dargestellt. An der (rechten) Nordwand sind der Grabherr mit Ehefrau vor Opferträgern, Hirten, Musikern, vor der Papyrusernte, dem Vogelfang und dem Bootsbau dargestellt. An der nördlichen Eingangswand sind der Grabherr und seine Ehefrau vor Dienern dargestellt.
  • Grab 5: Senbi, Sohn des Ukh-hotep, Erbprinz, Vorsteher der Propheten, Zeit Sesostris’ I. bis Amenemhet II., Grab B3. Dieses Grab besteht aus einer größeren Vorhalle mit vier Pfeilern und einer sich anschließenden Sarkophaghalle. Es sind nur wenige Stellen dekoriert: An der Südwand findet man die Stele seiner Schwester Mersi und an der Rückwand die beschriftete Tür zur folgenden Halle.
  • Grab 6: Ukh-hotep, Gaufürst, Vorsteher der Propheten der Hathor, Zeit Amenemhets II., Grab B4. Dieses Grab besteht aus einer großen pfeilerlosen Halle, deren Statuennische an der Rückwand durch zwei in den Raum hineinreichende Wände eine Art Schrein erhält. Im Nordwesten der Halle erreicht man eine weitere Halle. Alle Wände des Grabes sind dekoriert: die südliche Eingangswand enthält Reste von Handwerksdarstellungen. Auf der Südwand erkennt man den Grabherrn mit Familie beim Fisch- und Vogelfang und Männer beim Fischfang mit dem Zugnetz. Die südliche Rückwand trägt eine Liste mit 59 Gaufürsten, die wohl (fiktive) Ahnen des Grabherrn darstellen. Der Schrein vor der Nische trägt Schlachtungs- und Gabenbringerszenen; die Nische selbst Inschriften und eine aufgemalte Scheintür. Die Nordwand zeigt den Grabherrn vor Musikern und Szenen des Hütens, Bringens und Zählens von Vieh. Auf der nördlichen Eingangswand sind Reste einer Jagdszene erkennbar. Die hintere Halle zeigt hauptsächlich den Grabherrn und seine Ehefrau, Priester, Opferträger, Männer beim Schlachten, Köche und Männer mit Tabletts mit Speisen. Die Rückwand enthält die Scheintürstele.

Unterkunft[Bearbeiten]

Unterkunftsmöglichkeiten bestehen in El-Minyā oder Asyūṭ.

Weiter geht's[Bearbeiten]

Sie können den Besuch des Gräberfeldes Meir mit dem des Klosters el-Muḥarraq verbinden.






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